Abo vs. Einmalzahlung: Software

Seit einiger Zeit ist die Diskussion um “gekaufte” Software im Vergleich zu Software- Abomodellen dauernd präsent und, spätestens wenn eine Kaufentscheidung zu fällen ist, nicht mehr zu ignorieren.


Gegenüber der einmaligen Anschaffung bietet das Mietmodell dem Anwender ständig aktuelle Programme und dem Anbieter stetige Einnahmen ohne Gefahr durch Raubkopierer.


Im Bereich Bildbearbeitung/Verwaltung wird vor allem der Branchenprimus Adobe gern als Beispiel für einen Miethai benannt, sobald es um Bildbearbeitung/Verwaltung geht. Aber ist diese leicht negativ belastete Sicht auf die Dinge eigentlich angemessen?- gehen wir der Sache mal auf den Grund.

Leider wird das Thema mehr emotional als kaufmännisch diskutiert, denn wenn man sich mal genau anguckt, was man für sein Geld bekommt, dann wird sehr schnell klar, dass hier zumeist Äpfel mit Birnen verglichen werden. Da werden Bilddatenbanken mit Bildbearbeitungsfunktionen, also eine Basisausstattung mit einem Modul aus einem in sich abgestimmten Softwarebundle verglichen.


Steigen wir mit einer ganz nüchternen Rechnung ein: das Abo für ein recht umfangreiches Softwarebundles eines bekannten Herstellers kostet derzeit knapp 12.- € monatlich, also 144.- € im Jahr.

Dafür bekommt man eine Software zur Bildverwaltung in zwei Versionen (Lokal/Online) plus ein Programm zur Bildbearbeitung zuzüglich verschiedener Online Services und Goodies, die das Leben leichter machen. Dazu zählt auch die Option die selbe Lizenz auf mehreren Endgeräten zu verwenden. Sofern entsprechende Programmversionen angeboten werden also auch auf Tablet oder Smartphone.


Der Einmalpreis für ein konkurrenzfähiges Bildverwaltungsprogramm (also nur ein Teil des o.g. Bundles) liegt auch etwa in dieser Region. Dafür bekommt man eine Lizenz für die Bildverwaltung nebst Minor Updates für die laufende Versionsnummer, die man benutzen kann so lange man will. Keine Updates im Hintergrund, das Programm kommuniziert auch nicht dauernd mit Servern des Herstellers.

Gewöhnlich liegen die Zyklen für die Major Versionen auch so um und bei 12 – 15 Monaten, was das Ganze vergleichbar macht, jedenfalls so lange es nur um den zu entrichtenden Preis geht.


Zur Erklärung der Unterschied zwischen Major und Minor Updates:

ein Major Update verändert die Versionsnummer, z.B. 4.0 auf 5.0. Dazwischen liegen kleinere (Minor) Updates und Fehlerbereinigungen wie 4.1, 4.4.23 und ähnlich.


Danach zahlt man einen, zumeist ermässigten, Update-Preis, für die folgende Generation. Oder man arbeitet mit der „alten“ Version weiter, sofern man kein Interesse an Neuerungen hat oder das Betriebssystem keine neue Programmversion erfordert.


Das war vor wenigen Jahren noch normal, im kommerziellen Umfeld wurde oft nur jeder zweite Versionssprung mitgemacht, weil dafür in der Regel auch neue Rechner angeschafft wurden- die Entwicklung lief eben auch bei Hardware und Betriebssystemen in wesentlich größeren Schritten; Versionssprünge waren entsprechend aufwändiger und brachten die “alte” Hardware oft ans Limit.



Also: bis hierhin wird schon mal klar, dass die jährlichen Kosten gar nicht so weit voneinander entfernt liegen. Bleiben noch zwei wichtige Faktoren, um sich für das eine oder andere Abrechnungsmodell zu erwärmen:


Erstens die Leistung, die man angeboten bekommt und zweitens das Zahlungsmodell. Manche Leute wollen ihre monatlichen Fixkosten gering halten oder auch nur bei einer Anschaffung den günstigsten Preis bezahlen. Damit fällt sowieso jegliches Abo-Modell aus der Auswahl heraus und der Kunde muss aus der gar nicht mal so geringen Anzahl an Anbietern, das passende Produkt zum Einmalpreis heraussuchen.


Konzentrieren wir uns auf das Thema Leistung. Hier liegt so ein Bundle aus mehreren Programmen natürlich locker vorne, dazu noch verschiedene Services, die der Anbieter sowieso im Portfolio hat und somit günstig anbieten, bzw. als “Dreingabe” zum eigentliche Produkt dazulegen kann. Man würde meinen, damit macht das Abo-Modell das Rennen.


Wenn man das ganze rein technisch betrachtet gibt es da keine Fragen mehr- aber es gibt ja auch durchaus Kunden, die das Ganze rein praktisch angehen und diesen Umfang gar nicht brauchen.

Das könnte zum Beispiel die Mehrheit der Fotografen sein, die gar keine RAW-Entwicklung benötigen, sondern mit JPGs aus der Kamera zufrieden sind und im Prinzip nur ein digitales Album für ihre Bilder brauchen. Und so hat eben auch das vermeintlich schwächere Produkt eine gute Chance einen zufriedenen Kunden zu finden.


Und von außen betrachtet: Software als Abomodell oder Online Service war für größere Softwarehersteller schon länger eine gute Lösung, um Kunden zu binden und Raubkopierer zu verdrängen. Im Zeitalter “goldener CDs” mit Pemium-Software zum Flohmarktpreis wäre das DIE Lösung gewesen. Es brauchte aber eine flächendeckende ADSL-Abdeckung, um das alles zu realisieren, daher ist dieses Geschäftsmodell noch vergleichsweise jung.


Mir persönlich ist ein Software Abo Modell erstmals gegen Ende der 1990er Jahre auf den Bildschirm gekommen. Damals angeboten vom führenden Browserhersteller Netscape Communications, zu einer Zeit, zu der es dauernd Updates gab und versionsgebundene Preise keine Option waren. Damals hat das Abonnement die Abrechnung im Tempo der Weiterentwicklung erst möglich gemacht. Heute ist Netscape längst Geschichte, aber in Form des kostenlosen Browsers “Mozilla”noch weiterhin ständig präsent.


Die Tatsache, dass viele Kunden unabhängig bleiben möchten bzw. sich nicht längerfristig binden möchten machen sich in jüngerer Zeit nun wieder kleinere Softwarefirmen zu Nutze und bieten ihre Lizenzen für einen kostengünstigen Kaufpreis an.


Was am Ende wirklich günstig oder schlicht der bessere Deal ist- Abo oder Kaufpreis- das wird immer an den Anforderungen des Anwenders zu messen sein, nicht am Angebot des Herstellers.


Wer also einfach ein Tool sucht, um seine Fotos zu verwalten, automatisch themenbezogene Alben zu erstellen und leichte Bearbeitungen vorzunehmen, der wird mit der Kaufsoftware sicherlich nichts falsch machen. Noch weniger, wenn er mit dem Betriebssystem mitgelieferte und daher kostenneutrale Programme verwendet, die diesen Bedarf in vielen Fällen decken können.


Wer darauf angewiesen ist, auf ein komplettes Ökosystem aus mehreren Anwendungen oder einen RAW-Konverter mit außergewöhnlichen Fähigkeiten zurückzugreifen, Services die nahtlos zusammenspielen und das auch noch über mehrere Geräte hinweg, der wird in der Regel auch keine Probleme mit einem Abo haben, das sich bei diesen Anforderungen auf jeden Fall bezahlt macht.

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